Lebenslauf Werner Coblenz

Werner Coblenz gehört zu den renommiertesten Archäologen Mitteldeutschlands. Er ist gleichzeitig einer der markantesten Vertreter einer ganzen Epoche, der Nachkriegszeit in einem geteilten Deutschland. Seine Lebensstationen stehen stellvertretend für Etappen einer historischen Entwicklung, die er für den Bereich der Archäologie und Denkmalpflege selbst entscheidend mitgestaltet hat.

1917 in Pirna geboren, bildete die sächsische Heimat den Verankerungspunkt für seine weitgespannten wissenschaftlichen Ambitionen und zugleich Projektionsfläche für seinen Drang, die selbst gesteckten Ziele zu verwirklichen. W. Coblenz entwickelte seine spezifischen Interessen in den 30er Jahren. Sein Studium in Berlin, Marburg, Wien, Kiel und Leipzig wurde jäh von der Katastrophe des 2. Weltkriegs unterbrochen. Bei Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft fand er ein zerstörtes und geteiltes Deutschland vor. Er beendete sein Studium 1947 bei Gero von Merhart in Marburg mit einer schon in der Vorkriegszeit begonnen Dissertation zu den mittelbronzezeitlichen Grabfunden in Sachsen, bis heute dem Standardwerk zu einer der fundreichsten Epochen sächsischer Archäologie.

W. Coblenz nahm seine Arbeit am Landesmuseum für Vorgeschichte in Dresden auf, wo er bereits 32-jährig zum Direktor avancierte. In den ersten Jahren nach dem Krieg war er die wesentliche Triebkraft für den Wiederaufbau der sächsischen Archäologie. Er übernahm die Bergung des Fundmaterials aus dem Kriegsschutt des ausgebombten Dresdens, die Neuorganisation der archäologischen Denkmalpflege und die Schaffung von Arbeitsräumen durch den Wiederaufbau des Japanischen Palais als Dienstsitz und Museumsgebäude. Er schuf die Strukturen für eine wirksame archäologische Denkmalpflege, bei der er sich in gleicher Weise durch die Mitgestaltung der „Verordnung zum Schutz und zur Erhaltung der ur- und frühgeschichtlichen Bodenaltertümer“ als auch durch die Schaffung und den ständigen Ausbau der ehrenamtlichen Denkmalpflege einbrachte.

Durch persönliche Kontakte zu seinen westdeutschen Kollegen – politisch illoyal – ebenso wie zu den Kollegen aus Zentral- und Osteuropa etablierte W. Coblenz das Landesmuseum für Vorgeschichte zu einer international anerkannten Forschungsinstitution. Seine verbindliche Ausstrahlung begünstigte die Reputation der deutschen Archäologie im Osten. Seine fachliche Kompetenz gemeinsam mit einem unermüdlichen Willen in der Durchsetzung von Zielen und einer in Fachfragen kompromisslosen Haltung machten W. Coblenz zu einem einflussreichen und gesuchten Experten, trotz seiner Weigerung, sich parteipolitischen Bindungen zu verpflichten.
Er übernahm 1966-1980 die Leitung des wissenschaftlichen Beirats für Bodendenkmalpflege beim Ministerium für Hoch- und Fachschulwesen der DDR, wurde 1966 in den Ständigen Beirat der Union Internationale des Science Préhistoriques et Protohistoriques bei der UNESCO gewählt. W. Coblenz war Ordentliches Mitglied der Sächsischen Akademie des Wissenschaften, Korrespondierendes Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, der British Academy sowie der Österreichischen Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichte und Ordentliches Mitglied des Deutschen Archäologischen Instituts.  Er brillierte in wissenschaftlichen Ausarbeitungen zu allen Epochen der Ur- und Frühgeschichte, die profunde Kenntnisse der sächsischen Archäologie zeigen und die weitreichende Einbindung des „Passlandes Sachsen“ in die moderne Grenzen ignorierenden prähistorischen Lebensräume thematisieren.

W. Coblenz habilitierte sich 1970 und wurde zum Honorarprofessor an der Universität Leipzig ernannt. Mehr als 400 Publikationen, darunter 10 Monographien, zeugen von einem unermüdlichen Drang, die ergrabenen Quellen und deren wissenschaftliche Auswertung weithin zu annoncieren. In seinem Lebensweg konsequent initiierte er nach der Wiedervereinigung die Gründung des „Mittel- und Ostdeutschen Verbandes für Altertumsforschung“ und schuf damit ein Forum für den wissenschaftlichen Austausch von Kollegen aus allen Teilen Deutschlands, für den er persönlich und entgegen herrschender Ideologie während des gesamten Zeitraums der DDR eingetreten ist.

W. Coblenz verstarb 1995 während einer wissenschaftlichen Tagung in Kempten im Allgäu.




Werner Coblenz