Lebenslauf Gerhard Bersu

Gerhard Bersu wurde als Sohn eines jüdischen Fabrikanten 1889 in Jauer/Schlesien geboren. Bereits als Schüler nahm er unter C. Schuchardt an archäologischen Ausgrabungen an der „Römerschanze“ bei Potsdam teil.

Er studierte Geologie und Archäologie und nutzte alle gebotenen Möglichkeiten weiter Reisen zu geologischen Kartierungen und archäologischen Ausgrabungen, die ihn u.a. nach Rumänien, Griechenland und Italien führten. Bereits mit Anfang Zwanzig gehörte G. Bersu zu den führenden Ausgräbern seiner Zeit. Seine Untersuchungen zeichneten sich durch scharfe Beobachtungsgabe und exakte Dokumentation aus. Wegen seiner Fähigkeiten holte ihn P. Goessler noch vor Abschluss des Studium 1913 als Assistent an das Landesdenkmalamt Stuttgart.

G. Bersu nahm als Kriegsfreiwilliger am 1. Weltkrieg teil und wurde 1916 von der deutschen Heeresleitung zum Schutz archäologischer Denkmäler und Sammlungen in Belgien und Nordfrankreich abgestellt. Nach Kriegsende berief ihn das Auswärtige Amt in die Waffenstillstands- und Friedensdelegation, um die Rückgabe von Kulturgütern zu regeln.

Die Fortsetzung archäologischer Forschungen bewegten ihn, 1924 eine Stelle bei der Römisch-Germanische Kommission in Frankfurt/M. anzutreten. Er holte 1925 seine Promotion über die Ausgrabungen auf dem Breiten Berg bei Striegau nach. 1929 wurde er zum 2. Direktors der RGK ernannt und übernahm 1931 die Leitung des Instituts. Zu den hervorstechendsten Ausgrabungen dieser Zeit gehörten die Untersuchungen am Goldberg am Rande des Nördlinger Rieses, die G. Bersu bereits 1911 begonnen hatte und die als ein Meilenstein systematischer Siedlungsforschung gelten.

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten führte zu einem grundlegenden Einschnitt. Mit dem Ziel der Gleichschaltung versuchten die politisch Mächtigen Einfluss auf das Archäologische Institut zu nehmen. Die Spitzen richteten sich gegen G. Bersus jüdische Herkunft. Systematisch wurde er diffamiert und aus Ämtern und Verbände gedrängt. G. Bersu wurde 1935 als 1. Direktor der RGK entlassen und als Referent für Ausgrabungswesen nach Berlin versetzt, die Zwangspensionierung erfolgte 1937.
G. Bersu übernahm verschiedene Grabungsleitungen in England, wo ihn der 2. Weltkrieg überraschte. Er wurde auf den Isle of Man interniert. Dort widmete er sich den archäologischen Überresten der Insel widmete, deren Erforschung ihn bis in die Nachkriegszeit band.

1947 wurde G. Bersu durch den Staatspräsidenten der Republik Irland, E. de Valera, als Professor an die Royal Irish Academy berufen. Auch aus dem deutschen Kollegenkreis erfolgte der Ruf, die Arbeit als 1. Direktor der RGK wieder aufzunehmen, dem G. Bersu 1950 folgte. Neben dem Wiederaufbau des zerstörten Institutsgebäudes – die Wiedereröffnung 1956 gehörte zu seinen letzten Amthandlungen – bildete die Verankerung der RGK in das neuentstandene politische Gefüge eine zentrale Aufgabe der letzten Dienstjahre.

Der Lebensweg Gerhard Bersus bis zur Machtergreifung beschreibt exemplarisch die europäische Dimension der Archäologie, sein Schicksal ebenso wie Zivilcourage und wissenschaftliche Leistung machen in zu einem der grossen deutschen Archäologen.

G. Bersu verstarb 1964 auf einer Dienstreise nach Magdeburg.

Vgl. BBC History: Historic Figures




Gerhard Bersu